Hübsch und reizend

24. April 2010

Die Entwicklung zu einem schönen und immer bereiten Sexobjekt ist erschreckend. Sie ist nicht nur speziell für uns Frauen erschreckend, sondern hat auch eine negative Auswirkung auf unsere Gesellschaft.

In den westlichen Ländern hat diese Entwicklung schon dazu geführt, junge Mädchen immer mehr unter Druck zu setzen. Viele Mädchen leiden an Bulimie oder anderen Essstörungen, um dem Schönheitsideal zu genügen, das von den Medien vermarktet und von der Gesellschaft unterstützt wird. Aber nicht nur die jungen Mädchen, sondern auch erwachsene Frauen, um die 30 und „älter“, sind von diesem nicht enden wollenden Wettkampf betroffen. Einige von ihnen lassen beispielsweise eine Tagesmahlzeit aus oder gehen einer anormalen sportlichen Aktivität nach. Dieser Übertrumpfungswettkampf und SchönheitsWAHNsinn muss aufhören.

Nicht nur in Asien, sondern auch hier in Europa ist dies, bis zu einem gewissen Ausmaß, die unverblümte Realität. Die Werbung im Fernsehen wird immer trivialer. Reizüberflutung führt zur Abstumpfung sinnlicher Wahrnehmung.

In vielen indischen Familien, so modern sie auch sein mögen, ist es selbstverständlich, dass die Augen der Tochter bereits im Alter von 4 Jahren oder auch früher mit Kajal verziert werden. So wird das Mädchen schon früh dazu erzogen, die Aufmerksamkeit männlicher Familienmitglieder auf sich zu ziehen. Es wird süß geschmückt und darf bei Festen Schminke und Schmuck tragen. Hübsch zurecht gemacht wird sie ermutigt, eine unterhaltende Rolle einzunehmen. Ich erinnere mich an mehrere Situationen, bei denen ich beschmückt gekleidet, vor der Verwandtschaft vorsingen sollte und ich hasste es. Ich hasste es, auf dem Präsentierteller zu liegen und habe bis heute die Angst, alleine vorzusingen, nicht verloren. Wenn ich in diesem Leben Mutter werden sollte, werde ich meine eigene Tochter auch präsentierbar dressieren?

Die dahinter stehende Idee ist, dass die hauptsächliche Aufgabe des Mädchens darin liegt, einen Mann zum Zweck der Heirat anzuziehen. Umso schöner sie dabei aussieht, umso leichter ist es einen reichen und ansehnlichen Mann zu gewinnen.

Bis heute ist die Denkweise vieler indischer Mütter, nur wenn meine Tochter hübsch ist, wird sie in der Lage sein, einen guten Partner zu bekommen. Vielen Diskussionen konnte ich entnehmen, wie das Aussehen anderer Mädchen beurteilt und zum Teil auch im Beisein der Anwesenden negativ ausgesprochen wird. „Sie ist zu dick“ oder „Für ein dunkleres Mädchen ist sie eigentlich ganz hübsch….habe ich mich geirrt: Dunkele Mädchen können doch AUCH HÜBSCH sein.“. Derartige Kommentare sind Hörbeispiele meines Alltags. Dabei lässt meine eigene Familie natürlich auch kaum eine Gelegenheit aus, mein eigenes Aussehen zu beurteilen. “Deine Haarfrisur sieht scheiße aus” oder “Also das willst du anziehen? Das finde ich bescheuert.” Ohne jegliche Übertreibung kann ich behaupten, dass dabei wirklich Wörter wie „Scheiße“ und „bescheuert“ verwendet wurden. Inwieweit eine solche Kommentierung das Selbstbewusstsein einer jungen Frau in Betracht der medialen Schönheitsflut zusätzlich verstärkt, bleibt dahin gestellt.

In Europa beginnen die Mädchen recht früh damit, mit Jungen auszugehen. Die attraktiveren Mädchen beginnen früher mit den ersten Dates. Die übrig gebliebenen Mauerblümchen haben keine Dates, wodurch die Angst der Mutter verstärkt wird, ihre Tochter sei wertlos, weil sie noch nicht mal einen Mann anziehen kann! Dies führt zu einer Traumatisierung der „nicht so hübschen“ Mädchen, denn in der Disco bleiben sie am Rand alleine zurück. Noch nicht einmal die hässlichen Jungen interessieren sich für sie.

In Indien habe ich eine Freundin, die ich als schlank bezeichnen würde. Da sie früher Basketball gespielt hat, muss sie zu der Zeit noch dünner gewesen sein. Zwei „Männer“ haben ihr wörtlich und ohne jegliches Versteckspiel, ins Gesicht gesagt „Du bist fetter geworden“. Einer der besagten Männer war auch noch ihr eigener Freund. Die freundlichere Variante davon ist „Du hast schon ein bisschen zugenommen“.

Wer sind diese Menschen, die sich so derb ein Urteil über das Aussehen anderer Mitmenschen erlauben? Sind sie selbst so attraktiv, dass sie sich herausnehmen, über den menschlichen Körper richten zu dürfen? Nein, sind sie nicht, da sie selbst meist einen Rettungsring um sich tragen. Wo sind Menschlichkeit und soziale Intelligenz geblieben?

Die Zeit verstreicht und das Leben entfaltet was das Schicksal für den Reichen, den Armen, den Schönen und den Hässlichen vorgesehen hat. Der Schöne kann in der Gosse landen und der Hässliche, bedenkt man welch harten Preis er für sein minderwertiges Aussehen ertragen musste, trotzdem ein wunderschönes Leben genießen.

Ich möchte auf das Bild der Frau als Sexobjekt aufmerksam machen. Die Welt ist vorangeschritten. Offen bleibt aber, ob das Denken der Menschen sich im Hinblick auf die Rolle der Frau als „HÜBSCH und REIZEND“ verändert hat.

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