Geburtstagswünsche 2010

12. Juni 2010

Ich möchte Sie nach Indien in den Bundesstaat Karnataka mitnehmen. Wir treffen in der Hauptstadt Bangalore ein junges Mädchen namens Priya. Unsere Hauptfigur stammt aus einer modernen indischen Familie, der es finanziell sehr gut geht und die nicht jede Rupie umdrehen muss.

Priyas einundzwanzigster Geburtstag rückte heran. Die Familie entschied sich, gemeinsam nach Dubai zu reisen und den Geburtstag dann dort zu feiern. Das Mädchen freute sich auf den Tag und vor allem auf den herzförmigen Geburtstagskuchen, den sie sich sehnlichst gewünscht hatte. Sie hatte diesen Kuchen auf Geburtstagsfeiern anderer Menschen gesehen und die Idee, selbst auch mal so einen zauberhaften Augenschmaus an ihrem eigenen Geburtstag zu erhalten, gefiel ihr sehr. Priya konnte es kaum erwarten.

Als nun der große Tag gekommen war, stellt sie enttäuscht fest, dass kein herzförmiger Geburtstagskuchen auf sie wartete. Verletzt und karg an Worten versuchte das Mädchen den Schmerz in ihrem Herz zu verbergen. Seit dem ersten Lebensjahr hatte man ihr eine rechtmäßige Geburtstagsfeier verwehrt, wohingegen die Geburtstage ihrer Schwester regelmäßig gefeiert wurden. Der Tropfen auf dem heißen Stein war die Nichterfüllung ihres 21sten Geburtstagswunsches. Die Schwester argumentierte, dass Sie den herzförmigen Kuchen nicht besorgt habe, weil zu viel davon als Rest übrig geblieben wäre.

So kehrte Priya wieder mit ihrer Familie nach Bangalore zurück. Nachdem man der Schwester auf außerfamiliären Wegen ins Gewissen geredet hatte, entschloss sich diese, eine Überraschungsparty für Priya zu organisieren. Das war wirklich eine tolle Überraschung für das Mädchen. Sie freute sich sehr, als sie realisierte, dass die Gäste ihretwegen gekommen waren. Die Terrasse war bunt geschmückt und Ballons schwebten durch die Luft. In der Mitte thronte ein herzförmiger Schokoladenkuchen mit Erdbeeren darauf. Das Geburtstagskind fühlte ihr Traum war wahr geworden.

Priya freut sich auf viele derartige Feste und Überraschungen, denn sie mag es sehr, wenn Menschen zusammen kommen, um miteinander zu feiern. Außerdem möchte sie sich bei ihrer Schwester bedanken, die diese Überraschungsparty organisiert, ihr damit viel Freude bereitet und den Tag zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht hat.

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Celi zählte die Tage bis zu dem besonderen Ereignis. In fünf Tagen war es endlich soweit. Die Nachricht, dass ein Priester an ihrem Geburtstag zu Gast im Hause sein werde, stimmte sie verdrießlich. Sie hatte sich doch einen ruhigen Geburtstag gewünscht.

Wie immer wollte die Familie zu dieser Gelegenheit gemeinsam in ein Restaurant gehen. Celi hatte bereits geäußert, dass sie zum Chinesen gehen wollte. Nichtsdestotrotz schlugen die Eltern andere Essensmöglichkeiten vor. „Wir könnten doch zum Italiener, der …. ist gehen.“ „Oder zum Griechen am …. Ich habe gehört, da ist es besonders gut.“ Verdutzt, als ob man ihre Aussage nicht gehört hätte, wunderte sich das Mädchen über die Vorschläge der Eltern. Sie erinnerte sich an den unerwünschten Gast und antwortete: „Wir müssen eigentlich nicht ausgehen. Wir haben doch sowieso kein Geld.“ „Nein, nein, nein“, widersprach der Vater „Sollen wir vielleicht zu dem deutschen Restaurant in … gehen?“. Celi verließ die Küche sprachlos.

Einen Tag vor der Ankunft des Bruders aus Hamburg und sechs Tagen vor Celis besonderem Tag, entschied sich die Mutter zum Backen eines Kuchens. Celi freute sich darauf, ihn zu verspeisen. Sie traute sich aber nicht, die Leckerei ohne die Erlaubnis der Mutter zu probieren. Später erfuhr das Mädchen von der Mutter, dass diese den Kuchen jetzt zum ersten Mal gemacht habe, um ihn auszutesten und um ihn dann für den Geburtstag zu machen.

Mutter: „Soll ich einen Erdbeerkuchen für dich machen?“

Celi: „Nein, danke.“

Mutter: „Welchen Kuchen soll ich dann machen?“

Celi: „Ich lasse es dich wissen, sobald ich mir Gedanken gemacht habe.“

Ein wenig später begleitete Celi ihrer Mutter beim Lebensmitteleinkauf. Auf der Fahrt fragte sie erwartungsvoll ihre Mutter: „Können wir die Schokoladentorte kaufen?“

Mutter: „Hähhh??? Welchen Kuchen?“

Celi: “Den Kuchen, den Jonas auch bei seinem Geburtstag hatte?“

Mutter: „Oh, ich dachte, ich könnte den Erdbeerkuchen mit dem Mandelboden machen?“

Celi versuchte ihr Verzweiflung runter zu schlucken und antwortete in einem langsamen und hoffentlich nicht zu ärgerlich klingenden Ton: „Ich möch-te kei-nen Erd-beer-kuch-en.“

Mutter: „Welchen Kuchen möchtest du dann?“

Celi: „Ich wollte die Schokoladentorte.“

Mutter: „Okay, dann kaufen wir die Schokoladentorte. Jonas wird bestimmt enttäuscht sein, dass er an dem Tag nicht da sein und den Kuchen mitessen kann.“

Erleichtert und ermüdet schickte Celi ein Dankgebet an den lieben Gott.

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Nicht jedem ergeht es so wie Priya und Celi. Viele erleben im Kreise ihrer Liebsten einen Traum von einem Geburtstagsfest. Das Haus wird geschmückt, Freunde werden eingeladen. Mit positivem Energieaustausch und freudestrahlendem Lachen schafft man eine Atmosphäre, die durch das Geben bedingt ist. Man schenkt einander Aufmerksamkeit, nur um des Gebenswillen, nur um dem anderen eine Freude zu bereiten. Das egozentrische Denken, das den Preis des besorgten Geburtstagsgeschenkes in Anwesenheit der Gäste verkündet und sich selbst in dem Mittelpunkt des Geschehens rücken möchte, findet hier keinen Platz.

Am zweiten Beispiel können wir erkennen, dass die vom Sender ausgesprochene Nachricht zunächst beim Empfänger kein Gehör findet. Auch Priyas Wunsch wird zuerst nicht erfüllt. Welche Gründe stehen dahinter? Ob die Empfänger vielleicht unter einer Beeinträchtigung ihres Hörorgans leiden? Welche anderen Gründe erläutern das resistente Verhalten?

So wie Menschen vom Geben motiviert sind, genauso gibt es auch diejenige, die handeln um des Nehmenswillen. Primär geht es dabei darum, dem Gegenüber die Energie zu entziehen. Man versucht dem Mitmenschen Kraft und Elan zu nehmen und das Teufelchen im Kopf herbei zu rufen, so dass die Enttäuschung hörbar werden kann. So gewinnt der „Nehmer“ wieder die Dominanz und schafft es, sich ins Zentrum des Lichts zu stellen. Geburtstagswünsche bleiben unerfüllt. Stattdessen berichtet man von Hindernissen und Erschwernisse bei der Besorgung dieser „ach so schwer zu erfüllenden“ Wünsche.

Ist es sinnvoller, Wünsche nicht mehr zu artikulieren, wenn der Energieentzug bereits zu einem Lebensbegleiter geworden ist? Eine vorbeugende Maßnahme gegen die Enttäuschung?

Priyas Geschichte zeigt, dass ihre anfängliche Enttäuschung eine wundersame Entwicklung genommen hat. Am Ende wurde sie von einer Überraschungsparty überrascht und freute sich sehr, über dieses Fest und den wunderschönen Geburtstagskuchen, den sie sich so sehnlichst gewünscht hatte.

Vielleicht variieren auch einfach die Vorstellungen von Liebe. Für den einen ist es ein Liebesbeweis, die Schwierigkeiten bei den Besorgungen für die Feierlichkeit aufzuzählen und den Preis des Geschenkes gegenüber dem Geburtstagskind zu verkünden. Dem anderen ist dieses Verhalten fremd. Er wartet weiter voller Hoffnung auf den Austausch von positiver Energie.

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8 Antworten to “Geburtstagswünsche 2010”

  1. Heinrich Says:

    Ich habe mal vor vielen Jahren meinen Geburtstag völlig vergessen, weil ich während einer Urlaubsreise gar nicht auf das Datum geachtet habe.

    Das war mein schönster Geburtstag, an den ich mich erinnere, obwohl ich gar keine Erinnerung habe, was an dem Tag alles geschehen ist. Er muss sehr schön gewesen sein, denn der Urlaub war schön. 😉


    • Lieber Heinrich,
      so wird einem das Älterwerden leicht gemacht. Hat ihre Frau den Geburtstag dann auch vergessen?
      Die Zeit im Urlaub vergeht ja oft wie im Fluge. Bislang hatte ich noch nie im Urlaub Geburtstag, aber das wäre gewiss sehr schön entspannt. Der große Feiertyp bin ich sowieso nicht.
      Vielleicht wird das auch mit dem Geburtstag überbewertet. Manch einer vergisst ihn schon mal, aber das ist ja nur menschlich. Andererseits melden sich manchmal Menschen, mit denen man schon seit längerer Zeit nicht gesprochen hat. Das freut mich dann schon sehr.

      Grüße
      Nayana Veritas

  2. Heinrich Says:

    Andererseits melden sich manchmal Menschen, mit denen man schon seit längerer Zeit nicht gesprochen hat.

    Das stimmt. Aber an dem Punkt habe ich etwas zu meckern. Es gibt Zeitgenossen, die rufen NUR zu Geburtstagen an. Zwischendurch melden sie sich nie.
    Dann fangen die nach Ihrem Glückwunsch an, zu fragen, was es sonst noch gibt, oder fangen an, von sich und ihren Erlebnissen zu erzählen. Sie wollen dann die Infos von 1 Jahr aufarbeiten.

    Wenn es ein paar von diesen Leuten gibt, steht man die halbe Geburtstagsfeier am Telefon und hat nichts von den Gästen.

    Das habe ich diesen ‚Eintags-Gratulanten‘ abgewöhnt 😉


    • Lieber Heinrich,
      das stimmt. Man wundert sich dann manchmal über die Überraschungsanrufe. Mich interessiert, wie Sie den Eintags-Gratulanten das Aufarbeiten des vergangenen Jahres abgewöhnt haben?

      Im Übrigen möchte ich mich für die späte Antwort entschuldigen. Im bayrischen Urlaub bin ich doch tatsächlich ganz in „Frauengespräche“ mit meiner Freundin versunken und habe die Welt um mich herum ein wenig vergessen. Da Sie selbst Frauengespräch erfahren sind, scheinen weitere Erläuterungsversuche überflüssig zu sein. 😉

      Herzliche Grüße
      Nayana Veritas

  3. Heinrich Says:

    Liebe Nayana Veritas,
    eben musste ich laut lachen, obwohl der Frauengesprächsscherz nun schon ein paar Tage alt ist. 🙂

    Ich freue mich, dass Sie einen schönen Urlaub in Bayern genießen. Grüßen Sie bitte Ihre Freundin unbekannter Weise recht herzlich! Tanken Sie viel Kraft und saugen Sie alles Schöne auf, was dieser Urlaub bieten kann!

    Das Abgewöhnen habe ich folgendermaßen durchgeführt: Ich habe jedes Mal, wenn ich diese Menschen zu ihrem Geburtstag angerufen habe, nach den Glückwünschen (die sowieso oft doppelt per Brief oder Email erfolgen) konsequent das Gespräch mit den Worten beendet, dass ich selbst es hasse, wenn ich an meinem Geburtstag stundenlang am Telefon stehen muss, und dieses anderen Menschen auch nicht zumuten möchte. Ich verspreche, zum Klönen zwischendurch mal anzurufen – und halte dieses Versprechen auch ein.

    Das haben alle bis auf einen begriffen. 😉

    Die einjährigen ‚Pflichtanrufe‘ von Menschen, mit denen man sich sonst nichts zu sagen hat, werden allerdings ganz automatisch immer weniger. (Generationsbedingt)

    Gruß Heinrich


  4. Lieber Heinrich,

    ja vielleicht ist das einer der Vorzüge des Alters. Man hat schon irgendwie ein ganz anderes Ansehen und wird von über 30jährigen eher respektiert.
    Mich wundert allerdings, dass diese Pflichtanrufe immer weniger werden. Wenn ich meine Eltern betrachte, habe ich eher das Gefühl, dass sie, umso älter sie werden, umso mehr Zeit am Telefon verbringen. Das plätscherartige Aufrechterhalten von Bekanntschaften scheint unglaublich wichtig zu sein. Aber ich darf das wohl nicht als Maß aller Dinge betrachten.

    Grüße
    Nayana Veritas

  5. Heinrich Says:

    Liebe Nayana Veritas,
    ich habe das wohl nicht ‚krass‘ genug gesagt, dass das Wenigerwerden durch den Tod vieler Verwandten verursacht wird. Meine Mutter (88) klagt z.B. darüber, dass zu ihrem Geburtstag so viele nicht mehr anrufen, die sich sonst wenigstens 1x jährlich gemeldet haben. Sie ist auch die Letzte aller ihrer Schulfreundinnen.

    Im Grunde wollte ich mit dem ursprünglichen Thema wieder einmal die Menschen ermuntern, sich auch außerhalb von Geburtstagen mal zu ‚melden‘.

    Das gilt auch für Foren, in denen viele Mitglieder oft nur einzeilige Geburtstagswünsche losschicken, immer betonen, dass sie täglich im Forum lesen, aber selbst nichts zur dauerhaften Kommunikation beitragen.

    Ich kann die Menschen besser verstehen, wenn sie auch mal etwas von sich erzählen …. aber bitte nicht nur an einem einzigen Tag des Jahres. 😉

    Gruß Heinrich


  6. Oh ja…nun habe auch ich es verstanden. Ich stand wohl auf der langen Leitung.

    🙂

    Gruß
    Nayana Veritas


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